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18 Juni 2020 | GSAM Connect

Nicht blinzeln

Ähnlich wie die globale Finanzkrise ist auch die COVID-19-Pandemie ein Katalysator für Veränderung. Während die globale Finanzkrise vor rund zehn Jahren eine „neue Normalität“ erschuf, hat der Coronavirus-Ausbruch eher eine Zeit des rapiden Wandels eingeläutet. Willkommen bei der „großen Beschleunigung“.

In manchen Bereichen hat sich der Beschleunigungseffekt der Pandemie sofort eingestellt: der plötzliche Stillstand der gesamtwirtschaftlichen Aktivität, die rapide politische Reaktion weltweit und die Geschwindigkeit der Marktbewegungen im Angesicht dieser Ereignisse. Die Pandemie wirkt jedoch in vielerlei Hinsicht beschleunigend. Egal wo wir hinschauen, fast überall – von Gesundheitswesen und Immobilien über die Beziehungen zwischen den USA und China bis hin zu Technologie, Gesellschaft und sozial verantwortlichem Investieren – hat das Coronavirus bestehende Trends beschleunigt und neue angestoßen. Anleger, die Renditen erzielen möchten, müssen unserer Ansicht nach ebenso schnell sein.

Als Vermögensverwalter bekommen wir heute am häufigsten die Frage gestellt, ob die Erholung an den Finanzmärkten, gemessen an den Fundamentaldaten, zu weit und zu schnell gegangen ist. Schließlich befindet sich die US-Wirtschaft in einer Rezession, die Arbeitslosigkeit hat fast ein Rekordhoch erreicht und Unternehmen sehen sich mit nie da gewesenen Herausforderungen und einem unsicheren Ausblick konfrontiert. Das sind zwar ernste Probleme, doch aus einer Investmentperspektive gesehen halten wir es für wichtiger, uns auf die längerfristige Dynamik der großen Beschleunigung zu konzentrieren.

Die wichtigste Dynamik ist unserer Ansicht nach das Ausmaß und die Geschwindigkeit der geld- und fiskalpolitischen Reaktion rund um den Globus, die sich deutlich von früheren Krisen abhebt. Die US-Notenbank (Fed) beispielsweise hat ihre Bilanzsumme in nur drei Monaten um 3 Billionen USD ausgeweitet – das ist mehr als das gesamte Bruttoinlandsprodukt von Großbritannien für 2019. Nach der globalen Finanzkrise 2008/2009 brauchte die Fed fünf Jahre, um ihre Bilanz um einen ähnlichen Betrag zu vergrößern (Grafik 1).

Grafik 1: Anstieg der Bilanzsumme der US-Notenbank

Grafik 1: Anstieg der Bilanzsumme der US-Notenbank

Quelle: GSAM, Bloomberg. Die Daten für die globale Finanzkrise erstrecken sich vom 13. August 2008 bis zum 27. November 2013. Die Daten für 2020 erstrecken sich vom 5. Februar 2020 bis zum 3. Juni 2020. Die bisherige Wertentwicklung bietet keine Garantie im Hinblick auf zukünftige Ergebnisse, die Schwankungen unterworfen sein können.

 

Wie wir nach der globalen Finanzkrise sehen konnten, kann eine aggressive Fed die Renditen von Staatsanleihen lange Zeit niedrig halten. Niedrige Renditen bei Staatsanleihen veranlassen Anleger eventuell, mit der Zeit höhere Risiken in Kauf zu nehmen, wodurch die Risikoprämien fallen und über die anfängliche Erholung hinaus attraktive Renditen entstehen (Grafik 2).

Grafik 2: Renditen von US-Hochzinsanleihen

Grafik 2: Renditen von US-Hochzinsanleihen

Quelle: GSAM. Bloomberg US High Yield Index. Die Daten für die globale Finanzkrise erstrecken sich vom 8. August 2008 bis zum 29. November 2013. Die Daten für 2020 erstrecken sich vom 7. Februar 2020 bis zum 11. Juni 2020. Die bisherige Wertentwicklung bietet keine Garantie im Hinblick auf zukünftige Ergebnisse, die Schwankungen unterworfen sein können.

 

In der aktuellen Krise wurde dieser Prozess durch die aggressive Reaktion der Politik vorangetrieben. Die Geschwindigkeit ist dabei jedoch kein Problem, sondern ein Merkmal. Die Fed und andere Zentralbanken müssen Unternehmen und Verbrauchern Liquidität als Überbrückung bereitstellen, bis die Pandemiekrise vorüber ist. Je schneller und billiger diese Liquidität bereitgestellt werden kann, desto schneller und stärker wird die Erholung voraussichtlich sein.

Die Märkte sind zukunftsorientiert und Anleger erwarten und unterstützen eine bessere Zukunft. Da die Renditen von Staatsanleihen nahe null verharren, konnten US-Emittenten von Investment-Grade-Unternehmensanleihen sich mehr als 1 Billion USD an Liquidität von Anlegern beschaffen, die sich nach einem höheren Renditepotenzial umschauten. Diese Liquidität ermöglicht es Unternehmen, die Krise zu überbrücken. Der Spillover-Effekt auf riskantere Anlagen wurde ebenfalls beschleunigt, wobei Aktien, Hochzinsanleihen und Schwellenländeranleihen sich alle nach ihrem anfänglichen Ausverkauf schnell wieder erholten.

Dieses Auf und Ab wird voraussichtlich anhalten. Das mussten Anleger gerade letzte Woche feststellen. Steigt die Angst vor einer zweiten Welle von Coronavirus-Infektionen, fokussieren sich die Märkte eher auf die kurzfristigen Entwicklungen. Wenn Sie investiert sind, sollten Sie sich auf die langfristigen Auswirkungen der geld- und fiskalpolitischen Reaktion konzentrieren – und auf die Diversifikationsvorteile eines auf hochwertige Anleihen ausgerichteten Portfolios. Angesichts der reichlichen Liquidität wird der Ausverkauf in Sektoren jedoch vermutlich nicht lange anhalten. Während der großen Beschleunigung lassen sich die Folgen für Anleger unseres Erachtens ganz einfach zusammenfassen: Nicht blinzeln.

 

Halten Sie sich über die neuesten Marktentwicklungen und die wichtigsten Themen für Ihre Portfolios auf dem Laufenden.

Über den Autor

Ashish Shah

Ashish Shah

Co-CIO of Global Fixed Income and Liquidity Solutions

Goldman Sachs Asset Management

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