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April 2021 | GSAM Connect

Ausblick für Schwellenländeraktien 2021

Wir sehen drei Hauptfaktoren, die Schwellenländer in diesem Jahr voraussichtlich beeinflussen werden: die Reaktion auf die Pandemie, die Möglichkeit eines synchronen Wachstums in Entwicklungsländern und Exportverflechtungen.

Reaktion auf die Pandemie

Die Auswirkungen des COVID-19-Ausbruchs und die Reaktion darauf waren weltweit ganz unterschiedlich. Wie vielleicht zu erwarten war, haben sich diejenigen Länder schneller als der Rest erholt, die strenge Lockdowns verhängt, ihre Bevölkerung getestet und positive Fälle nachverfolgt sowie ihre Wirtschaft vorsichtig und durchdacht wieder geöffnet haben. Dabei hatten China, Taiwan und Südkorea (die mehr als 65 % des MSCI EM ausmachen) weltweit die Nase vorn; wir rechnen damit, dass die gesamtwirtschaftliche Aktivität ihrer Volkswirtschaften schon im zweiten Quartal wieder ein normales Niveau erreichen kann. China und Taiwan gehören in der Tat zu den wenigen Ländern, in denen das reale BIP-Wachstum 2020 positiv war. Für 2021 wird die Bandbreite der Ergebnisse dieser Länder unseren Erwartungen nach enger sein. In Ländern, die von der Pandemie stärker betroffen waren, wie der Großteil Lateinamerikas, Indien und Russland, werden die Impfungen voraussichtlich die Erholung weiter vorantreiben. Wir müssen jedoch auch vor neuen Wellen warnen.

Synchrones Wachstum

Wir rechnen 2021 mit einer synchronen Erholung des BIP-Wachstums. Erwartungen zufolge werden alle 27 Schwellenländer zum ersten Mal seit der globalen Finanzkrise ein positives reales BIP-Wachstum erzielen. Während die Regierungen der Industrieländer riesige Konjunkturhilfspakete mit Arbeitslosenunterstützung oder Kurzarbeiterprogrammen geschnürt haben, waren die Regierungen der Schwellenländer im Großen und Ganzen zurückhaltender. Die Inflation ist dank einer Kombination aus Nachfrageeinbruch und fehlenden Möglichkeiten für Konsumausgaben zahm. Der Rückgang der Importe dagegen hat zu einer Verbesserung der Leistungsbilanzen einiger Länder beigetragen. Wir gehen davon aus, dass die Geld- und Fiskalpolitik in den meisten Schwellenländern 2021 konjunkturunterstützend bleiben wird.

Exportverflechtungen

Eine allmähliche Erholung der geschäftlichen Aktivität in Industrieländern dürfte eine gute Nachricht für die Exporte aus Schwellenländern sein und zur Ankurbelung des Wachstums in diesen Ländern beitragen. In vergangenen Konjunkturzyklen wäre eine Exporterholung in erster Linie von rohstoffintensiven Branchen in Schwellenländern ausgegangen. Mittlerweile stellen diese Sektoren jedoch nur noch etwa 15 % des MSCI EM Index. Über Konsum- und Finanzunternehmen in rohstoffexportierenden Regionen wie Lateinamerika, dem Nahen Osten und Russland wird es allerdings Auswirkungen geben. Unserer Ansicht nach wird aber der Halbleiterzyklus davon am meisten betroffen sein. Wir erleben einen sprunghaften Nachfrageanstieg durch das mobile Arbeiten, zu dem auch gefestigte langfristige Trends in den Bereichen 5G-Infrastruktur, Rechenzentren, Automatisierung und künstliche Intelligenz beitragen. Dies schafft ein günstiges Umfeld für eine Erholung des Gewinnwachstums von dem schwachen Niveau, das wir in den letzten zwei Jahren gesehen haben.

Was die Bewertungen angeht, müssen wir zugeben, dass die auf den Gewinnen des kommenden Jahres basierenden Forward-KGVs deutlich angezogen haben. Auf drei Punkte möchten wir allerdings hinweisen:

Erstens: Angesichts der Tatsache, dass das derzeitige extreme Niedrigzinsumfeld noch in absehbarer Zukunft anhalten wird, halten wir es nicht für unangemessen, dass wachstumsstarke Vermögenswerte höher als in der Vergangenheit gehandelt werden.

Zweitens: Das Universum der Schwellenländer ist heute mehr binnenorientiert und weniger von Rohstoffen abhängig als in früheren Zyklen. Dafür haben hochwertige/wachstumsstarke Konsum- und Technologieunternehmen eine Gewichtung von mehr als 50 % im MSCI EM, nachdem dieser Anteil 2008 noch bei 30 % lag. Unserer Ansicht nach ist der historische Durchschnitt durch Rückgänge verzerrt; auf sektorbereinigter Basis erscheinen die aktuellen Bewertungen attraktiv.

Drittens: Der Gewinneinbruch 2020 und die sich daraus ergebende niedrige Vergleichsbasis werden voraussichtlich dazu führen, dass das Gewinnwachstum 2021 und 2022 über dem Trend liegt, was die einjährigen Forward-KGVs eventuell nicht vollständig widerspiegeln. Die relativen Bewertungen sind überzeugend, denn das im Verlauf von 2021 für die Schwellenländer prognostizierte Gewinnwachstum von etwa 30 % und mehr liegt deutlich über den Prognosen für Industrieländer[1]. Wenn man bedenkt, dass die Fundamentaldaten eines Unternehmens in der Regel etwa 85 % der Performance von Schwellenländeraktien über einen Zeitraum von 10 Jahren erklären, stellt dies unseren Einschätzungen zufolge einen interessanten Einstiegspunkt in die Anlageklasse dar. In der Tat verzeichnen Schwellenländeraktien seit November Rekordzuflüsse, denn Anleger gleichen weiterhin ihre Untergewichtungen aus. Diejenigen, die sich fragen, ob sie den richtigen Zeitpunkt vielleicht schon verpasst haben, weisen wir auf Folgendes hin: Selbst wenn Anleger mit ihren Allokationen auch nur zu den historischen Durchschnitten zurückkehren, würde der Großteil der Zuflüsse noch vor uns liegen.

 

Das vollständige Dokument enthält weitere Einzelheiten wie länderspezifische Berichte.

Dokument ansehen:

[1] Quelle: Datastream; Stand: Dezember 2020. Die bisherige Wertentwicklung bietet keine Garantie im Hinblick auf zukünftige Ergebnisse, die Schwankungen unterworfen sein können.

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